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Solar weiter im Aufschwung. Neue (alte) Technik, starke Leistung


Ein Solarwärmekraftwerk in Spanien
Koza1983, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons

Das Ziel für dieses Jahr ist erreicht! Deutschland hat seine Ausbauziele für Solarenergie drei Monate schneller als geplant erfüllt. Neben den vielen Hiobsbotschaften aus den Nachrichten ist es eine erfreuliche Meldung, dass Solar somit weiter im Kommen ist. Den Aufschwung um Solarenergie haben wir bereits in zwei Artikeln aus den letzten Monaten behandelt. Dort haben wir uns mit dem Solarpaket 1 und seinen positiven Effekten auseinandergesetzt sowie uns dem Hype um die Balkonkraftwerke gewidmet. Wir sind mehr als erfreut, diese Entwicklung im Bereich der Solarenergie miterleben zu dürfen, weswegen uns auch dieses Mal der Sonne zuwenden.

Neue alte Technik


Solarwärmekraftwerke rücken immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit. Die Bilder des angestrahlten Turmes durch ein Spiegelmeer finden sich immer häufiger im Mainstream wieder. Dabei beginnt die Geschichte dieser Art der Kraftwerke bereits Anfang des letzten Jahrhunderts, als hierzulande mit der Dampferzeugung durch Parabolspiegel experimentiert wurde. Das Interesse an der Technik war so groß, dass in den 1910er-Jahren kleine Testanlagen in Ägypten in Betrieb genommen wurden und im Auftrag des deutschen Reichstages fast eine Großanlage in der damaligen Kolonie Deutsch-Südwest-Afrika errichtet wurde. Letztere wurde aufgrund des 1. Weltkrieges und des Aufkommens von Erdöl als dominante Energiequelle des 20. Jahrhunderts jedoch nie umgesetzt. Es ist nur schwer vorstellbar, welche Entwicklung die Geschichte genommen hätte, wenn bereits damals die Forschung an erneuerbaren Energien wie dieser weitergeführt worden wären und wir uns nicht in Abhängigkeit von Fossilen-Energiequellen begeben hätten.


Heiße Krise, heiße Lösung


Mehr als 100 Jahre später wächst das Interesse an dieser Art von Kraftwerken wieder enorm. Während im letzten Jahrhundert nur ein modernes Solarwärmekraftwerk in Kalifornien errichtet wurde, begann ab 2007 ein regelrechter Boom. Insbesondere Spanien legt ein atemberaubendes Tempo vor, was den Ausbau dieser Art von Kraftwerken betrifft.


Die große Aufmerksamkeit kommt aber dem chilenischen Solarkraftwerk Cerro Dominador zu, welches große mediale Aufmerksamkeit erzeugte. Das Kraftwerk steht in der Wüste und generiert mit Wärmestrahlung und Photovoltaik zusammen eine Jahresleistung von mehr als einem Gigawatt, genug Strom für mehr als 380.000 Haushalte. Besonders die Verbindung der beiden Energieerzeugungsformen macht das Kraftwerk so effizient. Da der Standort sonst totes Land wäre, ist die erzeugte Leistung eine wirklich effiziente Nutzung der Fläche.


Auch in Deutschland wird wieder mit der Technik experimentiert. So steht seit 2009 ein Solarturm in Jülich (NRW), der genug Energie für 400 Haushalte erzeugen oder sogar zur Produktion von solarem Wasserstoff genutzt werden kann.


Sonnenland Deutschland


Deutschland scheint für eine derartige Anlage nicht die offensichtlichste Standortwahl zu sein. Wenn man sich die damalige Kritik am Jülicher Kraftwerk anschaut, bestätigt sich das auch. Dennoch erleben wir gerade durch den immer akuter werdenden Klimawandel eine wetterliche Veränderung, die viele Gebiete austrocknen lässt, da der Regen ausbleibt und die Sonne von Jahr zu Jahr heißer auf die Erde brennt.


Sichtbar wird dies besonders, wenn man durch die neuen Bundesländer fährt und in den Sommermonaten immer mehr Gelb als Grün zu Gesicht bekommt. Was beim Hinschauen aber auch auffällt ist, dass die Landschaft zunehmend mehr von großen PV-Feldern bestimmt wird, die sich über riesige Gebiete erstrecken. Die Mischung aus dünner Besiedlung und viel Sonnenschein bietet einen guten Nährboden für Solarenergie. So sollten auch hier Solarwärmekraftwerke mehr in Betracht gezogen werden.


Ein Beispiel


In Brandenburg befindet sich die Lieberoser Wüste, die zweitgrößte in ganz Mitteleuropa. Durch einen Brandunfall im Jahr 1942 entstanden und seitdem als Truppenübungsplatz für Wehrmacht und Rote Armee genutzt worden, steht die Wüste heute leer. Der Boden ist so gut wie nährstoffbefreit und gelegentlich finden sich vereinzeln Tiere und zähe Pflanzen. Der Boden erhitzt sich hier tagsüber auf über 60 Grad und bietet somit eine gute Grundlage für die Energieerzeugung durch Solarwärmekraftwerke. Natürlich finden sich hier nicht dieselben Voraussetzungen wie in der spanischen oder chilenischen Wüste, aber dennoch liegt hier ein gutes oder enormes Potenzial vor, welches das Potenzial von Jülich um Weiten übersteigt.


Der Sonne entgegen

Solarwärmekraftwerke und generell Energieerzeugung aus Sonnenlicht ist eine wirklich faszinierende Technik, die zurecht einen Boom erlebt. Eine unendliche Ressource, die auf verschiedene Weisen genutzt werden kann, ermöglicht einem Land wie Deutschland, sich energetisch unabhängig zu machen und die Dekarbonisierung voranzubringen. Bund, Länder, Kommunen und EVUs sollten den Trend weiter verfolgen und sicherstellen, dass wir wieder zu einem Vorreiter der Solarenergie werden und dabei alle Möglichkeiten in Betracht ziehen. Vielleicht sehen wir dann in ein paar Jahren auch das erste große Solarwärmekraftwerk in Deutschland.



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